Kopf oder Bauch

Als ich 21 Jahre alt war, hatte ich einen lieben Freund und war verknallt. In jemand Anderen. Ich musste mich zwischen den Beiden entscheiden und machte eine bescheuerte Liste. Was sprach für den Einen, was für den Anderen? Wer von den Beiden passte besser zu mir? Ich konnte mich nicht entscheiden. Also verliebte ich mich in einen Dritten. Seit 15 Jahren sind wir nun zusammen.

 

Der Wecker klingelt. Manche entscheiden sich sofort aufzustehen. Andere entscheiden sich für die Snoozefunktion und drehen sich im Bett gemütlich noch einmal um. Wir sitzen im Restaurant und entscheiden uns für einen Salat. Der Mann am Tisch gegenüber für eine Nudelpfanne. Eine Managerin entscheidet sich weniger zu arbeiten. Eine Hausfrau entscheidet sich in einem Buchladen zu arbeiten. Die einen entscheiden sich für keine, andere für ein und wieder andere für zwei oder mehr Kinder. Viele Menschen in Amerika haben sich für Donald Trump entschieden. Viele Menschen haben sich gegen ihn entschieden. Entscheidungen. Mal mehr, mal weniger entscheidend.

 

Auch eine nichtgetroffene Entscheidung ist eine Entscheidung. Studien belegen, dass erst ein Zusammenspiel aus Verstand und Bauchgefühl zu einer klugen Entscheidung führen kann.

Doch nicht alle Menschen nehmen ihr Bauchgefühl wahr, trauen ihm nicht oder wissen nicht wie sie mit ihrer Intuition umgehen sollen. Viele reißen sich zusammen, Angst verdrängt ihr Bauchgefühl und sie entscheiden sich vermeintlich rational. Dafür gibt es laut Maja Storch (Diplom-Psychologin und Leiterin des Institut für Selbstmanagement und Motivation ISMZ in Zürich) folgende Gründe:

 

"Das hat viel mit Erziehung zu tun, mit Elternbotschaften, die wir verinnerlichen. Wir alle kommen mit diesem unbewussten Bewertungssystem auf die Welt. Aber viele werden als Kinder darauf getrimmt, ihre Bauchsignale zu ignorieren mit Sätzen wie: Das bildest du dir ein. Sei nicht so empfindlich. Wer mit solchen Botschaften aufwächst, verliert den Zugang zum Bauchgefühl. Ganz extrem ist das bei Menschen mit Essstörungen. Auf die Frage, was sie gerade fühlen, antworten sie typischerweise mit: "Also, ich denke, ich bin wahrscheinlich jetzt wütend." Aber sie fühlen es nicht!" 

(Quelle: http://www.stern.de/gesundheit/bauch-und-psyche-das-geheimnis-kluger-entscheidungen-3409704.html)

 

Um nun mit entscheidenden Situationen am besten umgehen zu können, rät die Diplom-Psychologin sich zunächst Zeit zu nehmen um Kopf und Bauch zu befragen. Der Bauch reagiert um ein Vielfaches schneller als der Kopf, kann sich aber auch täuschen. Deshalb ist es klug das Bauchgefühl mit dem Verstand abzugleichen: "Wir haben nicht umsonst zwei unterschiedliche Bewertungssysteme, also sollten wir auch beide benutzen. Ein Mister Spock, der alles nur mit dem Verstand angeht, trifft genauso schlechte Entscheidungen wie jemand, der nur aus dem Bauch heraus handelt." (Quelle: wie oben)

 

Frau Storch definiert das Bauchgefühl als ein Erfahrungsgedächnis auf das wir intuitiv zurückgreifen. Um so mehr Erfahrungen wir in einem bestimmten Bereich gemacht haben, umso verlässlicher ist unser Bauchgefühl: "Wenn ein Patient als Notfall eingeliefert wird, hat Oberschwester Hildegard, die seit 30 Jahren im Dienst ist, ein besseres Bauchgefühl als der Arzt, der gerade frisch von der Uni kommt. Ein Neuling kann sich auf sein Bauchgefühl nicht verlassen, weil er noch keine Datenbasis hat." (Quelle: wie oben)

 

Wichtig ist es demnach auch, mit Hilfe des Verstandes zu hinterfragen, woher ein entsprechendes Bauchgefühl kommt. Wenn ich z.B. ein komisches Gefühl im Bauch bekomme, wenn ich einen rothaarigen Menschen treffe, kann ich mich daran erinnern, dass ich als Kind von einem rothaarigen Kind geärgert wurde und mein Bauchgefühl anpassen.

 

Mehr zu diesem Thema findet ihr hier.

 

Ich wünsche Euch einen entspannten Sonntag

Eure Ela

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