Zuckerfreies Minigärtchen

 

Ich bin seit 7 Wochen clean. Naja fast. Einmal in der Woche werde ich rückfällig. Aber mit Absicht, quasi um mir zu beweisen, dass ich das Zeug nicht mehr brauche: künstlichen Zucker. Schon als Kind habe ich mir Berge von Schokolade und Eis reingeschaufelt, aus Langweile, Müdigkeit, Glücklichsein und Gemütlichkeit. Ich errinnere mich, dass ich im Abitur immer Donnerstags, wenn ich eine Freistunde zwischen der sechsten und achten Stunde hatte, einen ganzen Liter Eis gegegessen habe, schön mit ein paar Milliliter Milch zum Milchshake gerührt. Ich habe auch nie verstanden, wie man nur einen Keks aus der Prinzenrolle essen kann. Es war mir nie genug. Ich brauchte immer mehr. Ich bin Zuckersuchti!

 

In der ersten Woche war der Entzug echt hart, ich hatte mega schlechte Laune. In der zweiten Woche hatte ich mich darangewöhnt und fühlte mich plötzlich total fit und hatte Lust mich zu bewegen. Erst in der fünften Woche hatte ich echten Heißhunger. Ich fand es total spannend bewußt darauf zu achten, wann und warum das Gefühl kam etwas Süßes essen zu wollen und dann eben nicht mit Zucker sondern mit Schlaf oder Beschäftigung zu reagieren. Unglaublich das ich Jahrzehnte meines Lebens `ne Schoki reingeschoben habe, anstatt zu schlafen. Ich muss dazu sagen, dass ich schon immer schlecht Abends ins Bett komme und morgens aber umso schneller wieder draußen bin. In meinem Kopf brodelt es ständig. Mehr als 5-6 Stunden habe ich nie geschlafen und nach dem Mittag habe ich angefangen mich mit Süßigkeiten vollzustopfen. Jetzt weiß ich, dass ich müde war und mein Körper Energie wollte.

 

Ich komme momentan sehr gut zurecht (und ich habe bereits 10 Kilo abgenommen), wobei ich weiterhin, wenn auch nur wenig, Fruchtzucker und Honig zu mir nehme- ja und bisher einmal in der Woche Künstlichen. Aber das war`s jetzt wohl auch, mir ist das Zeug mittlerweile viel zu süß und ich bekomme Magenschmerzen. Der Jieper auf Süßes ist jedenfalls weg und das ist das Tollste! Ich fühle mich so frei, wirklich vergleichbar wie ohne `ne Zigarette auszukommen. Nicht mehr die Schubladen zu durchwühlen, nicht mehr aus der Not ranzige Schokoraspel zu verdrücken und dem Kind die Gummibärchen klauen. Nicht mehr dafür schämen. Schokolade war für mich früher Entspannung und Glück. Jetzt trinke ich ein Glas Wasser, lese ein Buch und mache Sport. Und bin danach viel glücklicher! Was für eine Erkenntnis! Trotzdem ist es nicht einfach für mich diese entstandene Leere immer zu füllen mit Beschäftigungen die mir Spaß machen. Das wird ein längerer Prozess des Suchens und Findens.

 

Was ich wirklich schwierig finde, ist es Brot ohne Zucker zu finden. Ich dachte früher immer, dunkles Brot ist gesünder als helles. Aber die dunklen sind ja meistens mit Karamell- bzw. Invertzucker gefärbt. Und auch von den hellen Brotsorten finde ich sehr wenige ohne Zucker. Vor einer Woche wollte ich mir mal Sushi aus dem Feinkostladen gönnen, aber da ist auch Zucker drin! Kuchen, Fruchtjoghurt, Pizza, Gummitiere, Marmelade und Nutella esse ich gar nicht mehr- und das obwohl ich Nutella vorher mit dem Löffel gegessen habe! Ich habe es vor ein paar Tagen mal probiert - echt übel fand ich das, soo süß, bäh. Das hätte ich niemals gedacht, dass ich mal zu Nutella bäh sage.

 

Ich finde es kriminell wie viele Lebensmittel Zucker enthalten, wie diese beworben werden (z.B. die Milchschnittewerbung) und das es immer wieder bestritten wird, dass Zucker genau wie Alkohol süchtig machen kann.

Tja, da hilft nur selber anbauen auf`m Minibalkönchen:)


Wie macht ihr das? Auch überzuckert? Schaut ihr immer auf der Packung nach was so drin ist? Oder ist es Euch total Wurscht, Hauptsache lecker?