Sonntag 31. Mai 2015

Ja, wir sind alle völlig verschieden! Ich nicht!

Text, Fotos: Manuela Klause-Klaaßen  

 

 

Prost erstmal!

 

Der obige Ausruf ist aus dem Film "Das Leben des Brian" von Monty Python. Kennt ihr den Film? In einer Szene tritt Brian (der von den Menschen als Heiland verehrt wird) auf den Balkon und ruft der jubelnden Menge zu: "Ihr seid alle völlig verschieden!" Daraufhin antwortet diese im Chor: "Ja, wir sind alle völlig verschieden!" Nur eine Person schreit dazwischen: "Ich nicht!" und wird sofort von den Umstehenden zum Schweigen gebracht.

 

Nun würde es ziemlich schallaschalla wirken, wenn wir die ganze Zeit durcheinanderschreien wie individuell wir sind. Oder eben auch nicht. Und wir haben auch nicht die Zeit und manchmal auch nicht die Lust uns in unserer anonymen Welt mit anderen persönlich auszutauschen. So würden wir natürlich am besten unsere Besonderheiten zeigen können, und sehen was das Besondere am Anderen ist. Nööö....wir kaufen uns stattdessen ´ne ganz individuelle Jeans oder eine individuelle Vase (oder  einen Stuhl), tragen eine individuelle Frisur oder aber wir wollen Superstar werden, ähem...berühmt. Hauptsache, wir fallen auf in der Masse. Werden gesehen und gehört. Wir kommunizieren also miteinander mit Hilfe unserer vermeintlichen Individualität.

 

Individualität bedeutet aber in unserer Gesellschaft nicht etwas Einzigartiges, sondern etwas was nach Individualität aussieht. Ein Individualist wäre ja im engen Sinne Jemand der die Welt mit anderen Augen sieht, innovativ, kreativ und unmodisch ist. 

Neiiiiin! Das ist zu unsicher, anstrengend und unmodisch ist uncool. Wenn Individualität dann gemainstreamed.

 

Ich habe mir vor ein paar Jahren einen neuen Esstisch und sechs gleiche Stühle dazu gekauft. Als ich dann in einer Wohnzeitschrift ein Bild von einem Esszimmer gesehen habe, auf dem jeder Stuhl um den Esstisch anders war und las, dass ein Stuhlmix das Ganze individueller gestaltet, hat mich das angefixt. Meine homogene Stuhlgruppe kam mir plötzlich langweilig und

unmodern vor.

Verschiedene Stühle, das gab es früher bei meinen Eltern nur bei Geburtstagen oder in meiner Studentenbude, also als Notlösung. Jetzt also als Mode.

Besonders Alt und Neu miteinander gemixt zeigt laut diversen Wohnmagazinen und Online-Wohncommunitys, dass die Mixerin richtig individuell ist. Wenn jetzt aber viele dieser Mode folgen, ist dann so ein Stuhlmix noch individuell? Oder ist das Mainstream? Oder macht der individuelle Mix individuell?

Da ich ein beeinflussbarer Mensch bin, habe ich also lustig gemixt. Nach einem Geburtstag hat eine Freundin mir beim Aufräumen geholfen und die nicht zusammenpassenden Stühle in eine Ecke gestapelt und nur die zusammenpassenden Stühle um den Tisch drapiert. Als ich ihr dann sagte, das die da auch an den Tisch gehören hat sie mich verduzt angeschaut. Sie hatte noch nix von dieser Mode gehört. Also ist sie jetzt individueller als ich.

 

Wenn Urlaub in Hohenwulsch "in" ist und dann folgen viele dieser Mode und fahren hin, dann ist das doch schon Mainstreamtourismus und nicht `ne Individualreise? Ok, wenn ich jetzt aber mir gaaanz andere Sachen anschaue als die anderen, dann bin ich modisch und individuell, oder?

 

Eigentlich möchte ich gar nicht individuell sein. Ich möchte dazugehören, Teil der Gesellschaft sein und mich darüber freuen, dass ich nicht anders bin, dass auch andere es nicht so gerne mögen jemanden anzurufen, den sie nicht kennen.

Ich möchte ganz laut: "Ach guck mal!" rufen, wenn ich meine individuelle Vase bei einer Freundin auf dem Tisch entdecke und entzückt mit ihr darüber schwelgen, wie hübsch dieses Ding doch ist. Ich möchte es witzig finden, dass wir anscheindend den gleichen Geschmack haben. Und wenn dann noch `ne Freundin und noch eine und noch eine dieselbe Vase haben, mich darüber freuen, dass wir alle etwas gemeinsam haben und Gesellschaft Gemeinschaft bedeutet. Wenn dann natürlich noch `ne Freundin die gleiche Vase hat, dann wird es langweilig...

 

Was meint ihr dazu? Seid ihr alle völlig verschieden?


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Kommentare: 13
  • #1

    miraculusa (Sonntag, 31 Mai 2015 10:56)

    Individualismus...ob bei stühlen oder kleidern, beim kunstgeschmack, beim freizeitkonsum oder, oder, oder...! ich bin ich...wenn das dannn individuell ist, ist es so, wenn nicht, dann bin ich halt gewöhnlich. doch auch gewöhnlich sein finde ich nicht schlimm...so, wie du richtig schreibst gehört man dann ein wenig mehr zur masse und nicht zu einem vermeindlich erlesenen grüppchen. in welche schublade ich dann gesteckt werde, finde ich nicht wichtig. ICH BIN ICH und das will ich auch sein :-) ela, geniess deine individuelle gewöhnlichkeit und sei so, wie es sich ergibt. ob blauer und roter stuh oder sechserpack...rock das leben ♥
    LG und hab eine gute zeit, nicole

  • #2

    Ela (Sonntag, 31 Mai 2015 11:56)

    Genauso Nicole! Locker machen, nehmen wie es ist und nicht gegen den eigenen Charkakter und Einstellungen kämpfen und vor allem nicht gegen die der Anderen. Letztlich ist Individualität auch nur eine Mode :).

  • #3

    Ela (Sonntag, 31 Mai 2015 12:08)

    Ach und Danke! Wünsche ich Dir auch! :)

  • #4

    alex (Sonntag, 31 Mai 2015 13:44)

    Ach hier isse. ☺Hallo. Tolle Stühle, die Form gefällt mir sehr, ist der Tipton eigentlich echt bequem? Ich mache mir da ehrlich gesagt nicht soviele Gedanken, ich hatte noch nie in meinem Leben die gleichen Stühle um einen Tisch, einfach weil ich finde es gibt davon einfach zu viele Schönheiten. Ich liebe Stühle, wieso sollte ich ich mich dann auf 4 gleichaussehende beschränken, diese Frage stellte sich mir schlichtweg gar nicht. Find ich allerdings weder individueller noch sonstwas, is einfach so.☺
    Bei so leb ich gab es ja vor einigen Wochen diese anstrengende Diskussion, da haste gefehlt. Ich habe zum Glück keinerlei Anspruch auf Individualität, wahrscheinlich aus Selbstschutz. Heutzutage ist es kaum noch möglich, was besonderes zu haben , weil es sich jeder per Mausklick "nach" beschaffen kann und ja auch tut, wenn die Kohle stimmt, stimmt die Kohle nicht, dann sollte man einfallsreich sein, is man das auch nicht, sollte man sich ein anderes Hobby suchen oder ein dickes Fell anschaffen.☺Jetzt schau ich mich hier mal um.☺ L.g Alex

  • #5

    Ela (Sonntag, 31 Mai 2015 16:40)

    Hi Alex! Schön das Du hergefunden hast! Der Tip Ton ist megabequem- nachdem ich mich draufgesetzt habe, habe ich gedacht : Mist, warum hab ich jetzt schon andere Stühle? Am liebsten hätte ich nur noch Tip Tons :). Echt!
    Witzig das für Dich eine homogene Stuhlgruppe abwegiger ist als eine gemixte- aber voll nachvollziehbar! Ist letztlich auch die eigene Biographie, die die Sichtweisen formt.
    Und ne anstrengende Diskussion- nee, da mag ich nicht dabeisein ;)
    Besonders ist man dann wohl, wenn man keine Maus hat oder kein Geld und am besten Beides nicht ;), ja darüber werde ich mal mehr nachdenken...
    LG, Ela

  • #6

    Vanessa (Sonntag, 31 Mai 2015 18:21)

    Vor zehn Jahren hatte man als Künstlerin andere Sorgen und Ziele als sechs gleiche Stühle und eine Schrankwand von IKEA. Heute sitzt im Reihenhaus die von ihrem Mittleres-Management-Mann vernachlässigte Schmuckdesignerin und versucht mit Massenware aus Skandinavien und chinesischen Eames-Kopien einen Ausbruch aus ihrer gepflegte Langeweile.

  • #7

    alex (Sonntag, 31 Mai 2015 18:29)

    Früher hat man sich seine Lieblingsstücke mühsam durchs Leben zusammengesucht, von Reisen mitgebracht, geerbt... heute kann man sich eine komplette Wohnung nachbauen ohne den Stuhl verlassen zu müssen, gut wenn der Dhl mann klingelt, dann mal kurz.☺ Weißte, das ist wahrscheinlich schon alles. Zuviel Input, zuviel möglichkeiten, zuwenig Zeit zur eigenen Entfaltung und Entwicklung. Als ich mit 20 Schöner Wohnen gelesen habe dachte ich immer ... wo krieg ich das nur her, in Urmitz gibts das nicht, heute gibt es alles überall und innerhalb 24 stunden. Ob das gut oder schlecht ist, sei mal dahin gestellt, völlig wertfrei hat das allerdings Einfluß auf die Individualität. Auch verlieren die Wohnstile ihre landestypischen Eigenschaften. Das wollen wir alle eigentlich nicht, aber auch daraus entsteht Neues und das ist wiederum gut. Ich finde jeder soll machen was er will, Dabei interessiert mich aber sehr wohl die Geschichte dahinter und da hört sich, ich habe mich einst in Sri Lanka in die Büste verliebt für mich individueller an als, der Schwede hatte es gerade im Angebot und ich wollte es auch schon immmmeeeer haben ☺☺☺ Besonders ist für mich mehr ein Gefühl... Hauptsache eine schöne Zeit, die wünsche ich dir, Alex

  • #8

    Susanne (Montag, 01 Juni 2015 11:23)

    Hallo Ela! Ich finde diese Diskussion total anstrengend.....
    Individualität hin oder her, es ist MEIN Zuhause, und an das habe ich nur den Anspruch mich darin wohl zu fühlen!
    Viele Grüße Susanne

  • #9

    Ela (Dienstag, 02 Juni 2015 09:21)

    Liebe Vanessa, ich hab Dich jetzt nicht verstanden? Ein Problem ist das natürlich nur, wenn man eins draus macht. Das finde ich auch, aber interessant darüber nachzudenken finde ich es schon.

    Liebe Alex, ich stimme Dir zu. Im Lädchen umme Ecke hätte ich den Tipton nicht bekommen, oder den Songbird. Wenn ich meine Freunde und Verwandte besuche, dann stehen da auch viele gemeinsame Dinge, aus den Einrichtungshäusern aus der Gegend (also in echt ;)) . Tipton kennen die nicht. Wenn ich aber online unterwegs bin, dann seh ich einige ähnlich online eingerichtete Wohnungen... und Tiptons. So ist es also doch wieder eine bestimmte Gruppe, Umgebung die mich beeinflusst. Besonders ist also immer in Abgrenzung zu dieser?

    Hallo liebe Susanne! Das tut mir leid, dass Du die Diskussion anstrengend findest. Das war nicht meine Absicht. Mich hat diese Frage interessiert und meine Auseinandersetzung damit und Eure Kommentare eröffnen mir neue Sichtweisen. Nicht nur auf dieses Thema. Wenn Individualität zur Mode wird, dann kostet diese auch Zeit und Geld, und ob man sich da mitreißen lässt und in eine Richtung bewegt, in die man sich ohne diese Mode nicht bewegt hätte, dass hat mich besonders interessiert. Weißt Du wie bei einer bekannten Waschmittelwerbung: Mmmh...wenn sie dieses Mittel nehmen, dann bekommen sie alle Flecken raus und die Wäsche duftet wundervoll. Ich glaub das dann und fühl mich wohl damit! Nehm ich ein No-name-Produkt, ohne Gefühlsvermittlung, fühl ich mich dann genauso wohl? Kauft man nicht auch immer ein Gefühl mit? Kauft man bei einem suggerierten individualisierten Stuhl nicht auch die Individualität mit?

    Liebe Grüße, Ela

  • #10

    Lady Susan T. (Dienstag, 02 Juni 2015 22:45)

    Liebe Ela!
    Jetzt habe auch ich den Weg zu Dir gefunden. Interessante Idee eine Art Diskussionsforum zu starten. Zu Deinem Thema Individualität fällt es mir etwas schwer was zu sagen. Ich dachte bis ich zu Solebich kam immer, ich sei ja doch recht ähnlich wie alle eingerichtet, naja und meine Freunde haben sich auch schon fast immer mit wohnen beschäftigt. Allerdings war ich sehr erstaunt über diese ganzen Design-Marken. Ich kannte viele dieser Dinge von meinen Reisen, oder auch auch aus Wohnzeitschriften, allerdings vom anschauen, nie mit Namen. Namen kannte und kenne ich hauptsächlich von den Produkten bei Ikea, bin damit aufgewachsen. Schade finde ich wirklich dass man alles von überall bekommt. Das war am Anfang meiner Fliegerzeit noch anders. Da war es was besonderes in Europa unterwegs zu sein, denn in es gab überall spezielle Läden Länderspezifisch und heute ??? Da findest Du egal wo die Kaffekette mit dem grünen Emblem, genauso wie das goldene M und auch so Läden wie Zara ( war immer nur Südeuropa) finde ich inzwischen in Hobgkong.... Also nix was ich von dort habe als besondere Erinnerung, sondern nur noch wie steht der Wechselkurs, wo ist es am günstigsten... Das bedauere ich wirklich, obwohl ich anderseits mich auch freue wenn Läden wie UniQlo es endlich nach Europa schaffen.... Momentan, wenn es da ist sehe ich das wahrscheinlich schon wieder anders, denn dann hat es ja wieder jeder... Ich glaube wirklich wichtig ist, sich wohl zu fühlen bei dem was man tut und auch wie man sich kleidet oder auch einrichtet. Und auch wenn mal alle es anders machen die man so kennt, oder es Dir gleich tun. Sei immer Du selbst und höre auf Deine innere Stimme, (ok bei Alex sind das dann ein paar Stimmen mehr

  • #11

    Lady Susan T. (Dienstag, 02 Juni 2015 22:55)

    Klammer zu , denn nur so kannst Du auch Du selbst sein und glücklich werden.
    LG Sanne
    Ps ich glaub ich hatte mit dem ersten Text das Textfeld gesprengt, denn irgendwie fehlte der Schlußsatz .

  • #12

    Ela (Donnerstag, 04 Juni 2015 10:39)

    Hallo liebe Sanne,
    schön das Du mich hier besuchst! Und den Rahmen sprengst ;) Mir ging es genau wie Dir, ich kannte auch keinen Designer bzw. Markennamen, und auch jetzt weiß ich die Namen nicht. Nur von den Dingen, die ich selber besitze. Ist wohl auch eine Frage wie sehr man sich damit beschäftigt. Ich war früher ein totaler Ikeafan- noch mehr als heute, und kannte fast alle Namen auswendig, sogar Maße und Farboptionen :)
    Deine globale Betrachtung finde ich auch sehr interessant, die Welt verschmilzt also wenigstens einrichtungstechnisch. Das ist doch mal was Tolles! Was wir politisch nicht schaffen, bekommen wir mit Shoppen hin. Da sieht man mal wieder: die Wirtschaft regiert die Welt... :)

    Liebe Grüße, Ela

  • #13

    Gabriel Waid (Montag, 06 Februar 2017 20:35)


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